Barrierefreier Onlineshop: wenn jede Produktkachel nur „Link“ sagt
Ein Lebensmittelhersteller aus Oberbayern verkauft seine Produkte in einem eigenen Onlineshop. Die Kurzprüfung hat gezeigt, dass ein blinder Kunde dort die Produkte nicht auseinanderhalten und das Kontaktformular nicht ausfüllen kann, obwohl die passenden Texte im Shop schon vorhanden sind.
Der Report ging direkt an den IT-Dienstleister
Nach meiner ersten Mail bat der Shop um den Kurzreport. Ich habe ihn direkt in die Mail geschrieben, ohne Anhang, damit er ohne Umweg an den IT-Dienstleister weitergehen konnte, der den Shop betreut. Geprüft habe ich die Startseite, eine Kategorie und eine Produktseite, jeweils am Rechner und am Handy.
76 Kacheln, die nur „Link“ sagen
Im Shop führt fast jeder Weg über eine Kachel mit Produktfoto, zur Kategorie oder zum einzelnen Produkt. In diesen Kacheln ist das Foto der einzige Inhalt des Links, und sein Alternativtext ist leer. Die Vorlesesoftware sagt deshalb nur „Link“ und liest danach die Internetadresse vor. Auf den drei Seiten waren es zusammen 76 solcher Kacheln, am Rechner und am Handy gezählt.
Der passende Text steht dabei schon im Shop, als Name der Kategorie oder des Produkts. Das Theme gibt ihn nur nicht an das Bild weiter, und genau dort setzt die Behebung an.
Sechs Formularfelder, die gleich klingen
Im Kontaktformular auf der Startseite fragt der Shop nach Vorname, Nachname, Firma, Bestellnummer, E-Mail und Nachricht. Wer sieht, erkennt am Layout, welches Feld wofür ist. Die Vorlesesoftware kennt nur die Verbindung im Code, und die fehlt bei sechs der sieben Felder, nur das Häkchen für den Datenschutz ist richtig verknüpft.
Im Formular-Editor ist das schnell erledigt, die Beschriftung wird um das jeweilige Feld gelegt.
Der Cookie-Banner liegt über dem Fokus
Solange der Cookie-Banner offen ist, lässt sich die Seite dahinter mit der Tabulatortaste weiter durchlaufen. An 161 Stationen lag das ausgewählte Element dabei unter dem Banner, und wer mit der Tastatur unterwegs ist, sieht dort nicht, wo er gerade steht.
Auf der Startseite kehrte der Tastaturlauf außerdem immer wieder zu demselben Bereich zurück. Ob das eine echte Tastaturfalle ist, aus der ein Kunde ohne Maus nicht mehr herauskommt, klärt erst eine Prüfung von Hand.
Warenkorb und Kasse stehen noch aus
Warenkorb und Kasse waren nicht Teil der Kurzprüfung. Dort entscheidet sich aber, ob jemand ohne Maus eine Bestellung abschließen kann.