Barrierefreier Ticketkauf: ein Ausflugsziel in Bayern im Kurzcheck
Ein Ausflugsziel verkauft seine Eintrittskarten online und hatte auf der Website vieles richtig gemacht. Am Knopf zum Ticketkauf fehlte trotzdem Kontrast, und ein eingebundener Social-Media-Feed las einem blinden Besucher 20 Bildunterschriften vor.
Eine Anfrage aus dem Marketing
In meiner ersten Mail hatte ich 15 Stellen mit zu wenig Kontrast auf der Startseite erwähnt. Darauf meldete sich die Marketingabteilung und wollte zweierlei: den kostenlosen Kurzreport und eine Beschreibung, was eine komplette Prüfung umfasst. Ich habe die Startseite, die Preise und die Gruppenangebote geprüft, jede Seite am Handy und am Rechner.
Die Grundlage ist gut gebaut
Alle 28 Felder im Formular für Gruppenanfragen haben eine Beschriftung. Von rund 80 Links auf der Startseite hat jeder einen Namen, jedes Bild hat einen Alternativtext, und wer mit der Tastatur kommt, springt über einen eigenen Link direkt zum Inhalt.
Der Knopf zum Ticket ist am Handy zu blass
Die orangen Knöpfe „Jetzt Ticket buchen“ und „Jetzt Gutschein kaufen“ führen zum Kauf. Weiße Schrift auf diesem Orange erreicht ein Kontrastverhältnis von 3,22 zu 1. Am Rechner reicht das, weil die Schrift dort groß genug ist, am Handy steht sie auf 18 Pixel und zählt damit nicht mehr als große Schrift, dort sind 4,5 zu 1 verlangt. Ein etwas dunkleres Orange löst das, oder die Schrift wird am Handy einen Pixel größer.
Ähnlich geht es den weißen Zwischenüberschriften auf dem hellen Grün mit 1,77 zu 1. Das Grün kann bleiben, wenn die Schrift darauf dunkel wird, ein sehr dunkles Grün käme auf 7 zu 1.
Den Ticketkauf selbst deckt die Kurzprüfung nicht ab. Er läuft über einen externen Anbieter in einem Fenster über der Seite, und dort muss der Kauf ohne Maus funktionieren und der Tastaturfokus beim Öffnen und Schließen an der richtigen Stelle landen.
20 Bildunterschriften am Stück
Weiter unten auf der Startseite ist ein Instagram-Feed eingebunden. Das Plugin dafür schreibt die komplette Bildunterschrift jedes Beitrags samt Emojis in den Alternativtext des Vorschaubilds, bei 20 Bildern, die längste mit über 1.800 Zeichen. Ein blinder Besucher hört das alles, bevor er beim Seitenende ankommt.
Behoben ist das mit einer Einstellung im Plugin, falls es eine anbietet, oder mit einem kurzen festen Text je Bild, etwa „Instagram-Beitrag“ und das Datum.
Kleinere Stellen in Menü und Galerie
Ein Menüpunkt klappt ein Untermenü auf, ist im Code aber weder Link noch Schaltfläche und lässt sich deshalb mit der Tastatur nicht ansteuern. Am Rechner zeigen einige Links in der Kopfzeile beim Durchtabben keinen Rahmen, und am Handy springt der Fokus in zugeklappte Bereiche, die gerade niemand sieht. In der Bildergalerie tragen drei von sechs Links ihren Dateinamen als Namen, weil die Mediathek beim Hochladen das Titelfeld so vorbelegt.
Die Informationen zur Barrierefreiheit gab es, nur nicht dort
Das Ausflugsziel hatte seine Informationen zur Barrierefreiheit veröffentlicht, auf der gemeinsamen Website. Von den Seiten dieses Standorts führte allerdings kein Link dorthin, der Footer hatte nur Impressum und Datenschutz. Inhaltlich nannte der Text Bereiche wie Videos oder Inhalte von Drittanbietern, aber keinen konkreten Stand, und genau den verlangt das Gesetz.